Pastelle – eine frühe Erfahrung


Wann und wie ich zu meinem "Schmincke-Pastellkreiden"-Kasten gekommen bin, weiß ich nicht mehr so genau. Es muss wohl Anfang der 1990er-Jahre gwesen sein – denn Pastellkreiden-Bilder habe ich mit Datierung erst ab dem Jahr 1992 gefunden.


Überhaupt habe ich diese Erfahrung über einen langen Zeitraum in einer falschen Schublade abgelegt. Und erst im Mai 2026 wieder entdeckt – eben in einer abgelegenen Schublade in einer unscheinbaren Papmappe.


"Provence-Gewitter" steht auf der Rückseite des in blau-grauen Farben gehaltenen Blattes aus 1992 (das zweite Bild von Oben). Der Charme eines Pastell-Stiftes besteht in seiner kreidig-chremigen Konsistenz, die einen sehr feinen Farbeintrag in griffiges Papier ermöglicht, mit sehr subtilen Tonübergängen. Etwas schwieriger ist dann schon das kantenscharfe "Malen", weil Pastellkreiden schnell brechen. Das erklärt vielleicht ein bisschen die eher rundlich angelegten Berge im oberen Bild. Allerdings handelt es sich um eine Vulkanlandschaften, und die Flanken von Vulkanen sind oft sehr sanft abfallend.


Es kann sein, dass meine Erfahrungen mit den Vulkanlandschaften auf den Kanarischen Inseln in mir eine Neigung zum Rundlichen von Bergen ausgelöst haben – tauchen doch diese Rundlichkeiten immer wieder in meinen Pastellen auf. Manche Felslandschaften erscheinen wie frei im Raum schwebend. Schon merkwürdig. Andere Pastelle aber sind konkrete Motive – etwa die "Feuerberge" oder der "Rabenkrater" auf Lanzarote. Dann gibt es auch das Nebeneinander von bizarren Schlackeskulpturen ("Kaminen", aus denen die Schlacke geflossen ist) und der typisch weißen Architektur der Insel.

Linkes Bild: Eine "erfundene Landschaft", die aber auch auf Vulkanismus verweist. - Rechtes Bild:  "Fliegende Berge"

Zwei Beispiele für die unterschiedliche Farbigkeit von Vulkanlandschaften – zumal es Flechten in allen möglichen Farben gibt. So entstehen auch "grüne" Berge.

Es gab Zeiten auf Lanzarote, als die ersten "Entdecker" munter durch die vielfältigen Vulkanlandschaften wandern konnten. Auf eigene Gefahr, aber ungehindert konnten sie die verschiedensten Vulkane der Insel kennenlernen. Spätestens mit der touristischen Explosion begann das Umdenken auf der Insel. Die jüngsten Vulkanausbrüche stammten von 1730-1736 und 1824, geologisch heißt das: neue Landschaften waren entstanden, deren Entwicklung sozusagen in Zeitliupe erfasst werden konnten. Statt sie zu zertrampeln, wurden die Feuerberge, die sanften Lapillihänge, die Flechtenbildung und andere organische Entwicklungen unter Schutz gestellt. So entstand der Timafaya-Nationalpark und 1993 wure Lanzarote UNESCO-Biosphären-Reservat. So wurden nach und nach einige herausragende Krater für den Tourismus gesperrt. – Die zwei unteren Pastellkreide-Skizzen gehen noch auf Zeichnungen von vor Ort zurück. Das war in 1994.

Andere Landschaften, verschiedene Stile

Rechts: Eine Skizze der Hanglage des Ortes  "Vernazza" in der Cinque Terre/Ligurien von 1993 – Vermutlich ist die Skizze nicht mit Pastellkreiden, s0ndern mit anderen, härteren Kreide-Stiften entstanden, zudem auf Büttenpapier. Das dürfte auch für das Blatt nebenan gelten mit dem Eintrag "Cuenca 86-93". Das könnte darauf hinweisen, daß ich das Blatt als Zeichnung vor Ort begonnen habe, also 1986 in der Stadt der spanischen Region Kastilien-La Mancha. – Das Bild unten ist reine "Fantastik" zwischen Pflanzen und Steinen, für mich ein "Schlachtfeld" aus 1995.